Russische Nacht

Das große Saisonfinale am Samstag, den 4. Juni im Konzerthaus Freiburg

Tchaikowsky – Schostakowitsch – Borodin – Mussorgsky

Chor & Orchester des ORSOphilharmonic | Musikalische Leitung: Wolfgang Roese

Während in Sankt Petersburg die Weißen Nächte zelebriert werden, begehen Chor & Orchester des ORSOphilharmonic das große Saisonfinale im Konzerthaus Freiburg. Große russische Komponisten des 19. & 20. Jahrhunderts stehen auf dem Programm:

Tchaikowsky – „Romeo und Julia“ (Fantasie Ouvertüre)

Schostakowitsch – 1. Sinfonie in f-moll, Op. 10

Borodin – „Polowetzer Tänze“ (aus „Fürst Igor“)

Mussorgsky – „Bilder einer Ausstellung“ (Neufassung)


TICKETS

Tickets erhalten Sie unter 0761 / 70 73 200
Hotline besetzt Mo – Fr, 10-18 Uhr

ORT & ZEIT

Konzerthaus Freiburg, Samstag, 4. Juni 2016

Beginn 20 Uhr | Einlass 19 Uhr | Konzertende ca. 22:30 Uhr

Alexander & Ekaterina Kolodochka

Als Solisten für die Neufassung der „Bilder einer Ausstellung“ konnte Wolfgang Roese das Klavierduo Alexander und Ekaterina Kolodochka gewinnen. Das einzige bekannte Bruder-Schwester-Klavier-Duo Europas feiert national und international Erfolge. „Sensible Hände“, „perfektes Klangerlebnis“ und „traumhaft sichere Dialoge“ urteilt die Presse. Das Repertoire der Klaviervirtuosen ist enorm: von klassischen Doppelkonzerten über Chorwerke bis zu Original-Filmmusiken („Berlin. Die Sinfonie der Großstadt“ und „Metropolis“). Publikumsmagnete sind ihre CLASSIC meets JAZZ-Konzerte. Begleitet von zwei Perkussionisten interpretierten Alexander und Ekaterina Kolodochka Bernsteins „West Side Story“ und Gershwins „Rhapsody in blue“ neu. Mit ihrer Bühnenpräsenz ziehen sie die Zuhörer in den Bann und eröffnen gerade auch jüngeren Menschen neue musikalische Welten.

Erleben Sie Alexander und Ekaterina Kolodochka an zwei Flügeln mit ORSOphilharmonic im Konzerthaus Freiburg!

„Die Kunst ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel für das Gespräch mit den Menschen.“

Modest Petrowitsch Mussorgsky

Unter dem Eindruck einer Gedenkausstellung für seinen verstorbenen Freund, den Maler Viktor Hartmann, komponierte Modest Mussorgsky 1874 den Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“, der als Musterbeispiel für Programmmusik gilt. Das an Klangfarben reiche Werk, das in manchen harmonischen und koloristischen Details den Impressionismus vorwegnimmt, regte zahlreiche andere Komponisten zu Bearbeitungen an.

Am bekanntesten ist die Bearbeitung für Orchester von Maurice Ravel.

„Es ist das Volk, das die Musik schafft. Wir Musiker arrangieren sie nur.“

Michail Iwanowitsch Glinka

Romantik im Russland des 19. Jahrhunderts

Das 19. Jahrhundert war gekennzeichnet von gesell- schaftlichen und politischen Veränderungen. Die Kriege Napoleons führten zu einer Neuordnung der politischen Landschaft, die französische Revolution wirkte in allen Ländern Europas, und es entstanden die ersten libe- ralen Regierungsformen der Neuzeit. Althergebrachte Gesellschaftsformen lösten sich auf, der Adelsstand verlor in gleichem Maße an Bedeutung, wie sich das (Bildungs-)Bürgertum entwickelte. Arbeiterbewegung und Sozialismus traten Industrialisierung und Kapi- talismus entgegen. In dieser Zeit der Umwälzungen änderte sich auch das Verhältnis des einzelnen Bürgers zum Staat und der Begriff des Nationalismus gewann an Bedeutung, da der Zugang zu Bildung und Kultur immer mehr Menschen ermöglicht wurde.

War die Musik zu Beginn des 19. Jahrhunderts geprägt durch die Wiener Klassik, so entwickelte sie sich zwar zeitverzögert, innerlich jedoch zusammenhängend mit Dichtung, Kunsttheorie und Philosophie, hin zur Romantik. Kennzeichnend dafür sind die Betonung des gefühlvollen Ausdrucks, die Auflösung der klassischen Formen, die Erweiterung und schließlich Überschrei- tung der traditionellen Harmonik. Häufig wurde die Musik mit außermusikalischen Ideen verbunden, es entwickelte sich die Programmmusik, das Orchester wurde ständig erweitert, um immer ausgefallenere

Klangfarben verwirklichen zu können.
In Russland, wie in anderen Ländern Europas, bildete sich Mitte des 19. Jahrhunderts eine Nationalromantik heraus. Als „Vater“ der russischen Musik gilt Michail Iwanowitsch Glinka. Im 18. Jahrhundert waren Stilein- flüsse aus Westeuropa in der klassischen russischen Musik dominierend geworden. Selbst die Volksmusik wurde durch westliches Gedankengut beeinflusst, es entwickelte sich ein „Stadtlied“, das durch westliche Rhythmen und Sequenzen geprägt war. Dem versuch- ten russische Komponisten wie Glinka ihre volkseigene Musiksprache entgegenzusetzen.
In der „Gruppe der Fünf” – auch „Mächtiges Häuflein” genannt – fanden sich junge Musiker zusammen, die russische Volksmusik fördern und weiter entwickeln wollten: Nikolai Rimski-Korsakov, Mili Balakirew, Ale- xander Borodin, César Cui und Modest Mussorgsky. Ihr Ziel war es, die russische Musik unter Einbeziehung der russischen Volkslieder, der Besonderheiten der russi- schen Sprache und nationaler Themen weiterzuentwi- ckeln.
Eher gen Westen orientiert waren die russischen Kom- ponisten Anton Rubinstein und Pjotr Iljitsch Tschai- kowsky. Letzterer gilt als wichtigster Vertreter der russischen Romantik, obgleich er zunächst wegen der westlichen Einflüsse im eigenen Land umstritten war. Heute sind vor allem seine Sinfonien, darunter die wenige Tage vor seinem Tod uraufgeführte „Sinfonie Pathétique”, das Erste Klavierkonzert und die beiden Ballette „Nussknacker” und „Schwanensee” weltbekannt.

Ein Geniestreich - Schostakowitschs 1. Sinfonie

Kaum 20 Jahre alt wurde er damit über Nacht zur Berühmtheit. Als Stummfilmpianist und Student hatte der Petersburger angefangen, wegen „jugendlicher Unreife” war er nach glänzend bestandenem Examen aus dem Konservatorium geflogen. Hunger und Geldmangel waren die Folge, ein Abgrund urbaner Verzweiflung tat sich auf. So versuchte er, mit einer Sinfonie die Fortführung des Studiums zu erstreiten – und die Prüfungskommission des Leningrader Konservatoriums nahm es zur Aufführung an.

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Eine Premiere! - Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“

Kein anderes Klavierwerk erfuhr je so eine hohe Anzahl an Orchestrierungen, Transkriptionen, Bearbeitung – selbst für Rockband – wie dieser berühmte Zyklus. 1873 starb in Moskau der mit Mussorgsky befreundete Architekt, Bildhauer und Maler Viktor Hartmann. Ein Jahr nach seinem Tod fand in Petersburg eine Gedächtnisausstellung mit seinen Gemälden statt. Zehn der später größtenteils verloren gegangenen Bilder beeindruckten Mussorgsky besonders, und als musikalisches Denkmal für den Freund verfasste er die „Bilder einer Ausstellung”: einen Zyklus von höchst originellen Klavierstücken, die durch musikalische Einleitungs- und Zwischenteile verbunden sind und den Zuhörer durch die Ausstellung führen.

Die Orchestrierung von Maurice Ravel dürfte wohl die bekannteste sein. Doch es gibt über 13 weitere Bearbeitungen, darunter die von Wolfgang Roese sehr geschätzte Fassung von Leo Funtek.

„Die Orchestrierung Ravels ist absolut grandios, farbig-funkelnd und schillernd und ohne Zweifel ein Meisterwerk. Allerdings trägt diese Bearbeitung für meinen Geschmack etwas zuviel schweres Parfüm und lässt mich einiges von der Rohigkeit und den erdigen Farben des russischen Originals vermissen. Mein Eindruck ist, dass die Fassung Funteks Mussorgskys Ästhetik mehr gerecht wird. Allerdings fehlt auch da etwas: Chorstimmen! Einige der Bilder verlangen regelrecht nach liturgischem Gesang, der an die russisch-orthodoxe Kirche erinnert.” 

Roese beschloss daher, für das Saisonfinale des ORSO eine eigene Fassung zu arrangieren, die sich sowohl an Ravel als auch an Funtek anlehnt. Natürlich für großes Orchester, gemischten Chor und gleich zwei Klaviere !

Man darf gespannt sein!

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Romeo und Julia

Mili Balakirew, der auch Modest Mussorgsky in seiner Entwicklung entscheidend begleitete, regte Tschai- kowsky zu der Fantasie-Ouvertüre „Romeo und Julia” an. Auf die choralartige Eröffnung, der ein russisches Kirchenlied zugrunde liegt, folgt das Hauptthema, der Kampf der Familien. Das Englischhorn bringt in starkem Kontrast dazu die klangschöne Cantilene, das Liebeslied der beiden Veroneser Jugendlichen. Im Wechselspiel von Choralmotiv und Kampfthema lässt Tschaikowsky die ganze menschliche Gefühlswelt erahnen.

Pjotr Iljitsch Tschaikowsky

Pjotr Iljitsch Tschaikowsky wurde am 25. April 1840 in Kamsko-Wotkinski Sawod geboren. Die musikalischen Neigungen seiner Familie waren nicht sehr ausgeprägt; gleichwohl erhielt er auf seinen Wunsch hin mit vier Jahren Klavierunterricht. Auf Verlangen seiner Eltern besuchte er die Rechtsschule in Sankt Petersburg und war anschließend im Justizministerium tätig. Beam- tenstatus und gutes Einkommen boten ihm ein ange- nehmes Leben, dessen er trotz allem bald überdrüssig wurde: 1861 begann er mit dem Musikstudium – ein Schritt, der nicht bei allen Familienangehörigen auf Verständnis traf. Sein Onkel Peter Petrowitsch kom- mentierte: „Dieser nichtsnutzige Peter! Nun hat er die Jurisprudenz mit dem Dudelsack vertauscht!”

1862 trat Tschaikowsky in das von Anton Rubinstein gegründete Petersburger Konservatorium ein und wechselte vier Jahre später nach Moskau. Dort ent- standen die ersten erfolgreichen Kompositionen, so auch die Ouvertüre zu „Romeo und Julia”, zu der ihn Mili Barakew inspirierte. In der Zeit entstanden auch die ersten drei Sinfonien, des Weiteren die Musik zu „Schneewittchen” und das Ballett „Schwanensee”, das 1877 uraufgeführt wurde – und durchfiel. Anfang diesen Jahres traf er erstmals Nadeschda von Meck, die ihm später eine jährliche Rente zukommen ließ, was ihn finanziell unabhängiger machte. Im gleichen Jahr heiratete Tschaikowsky Antonia Miljukowa, doch diese Beziehung hielt nur drei Monate – die Nachstellungen seitens Miljukowa nach der Trennung und die Ausein- andersetzungen waren ein Alptraum für ihn, wenn- gleich die Ehe nie geschieden wurde.
Die folgenden Jahre werden als kreatives Tief Tschai- kowskys bezeichnet, obwohl er mehrere Werke schrieb, in denen jedoch oftmals seine innere Leere zum Aus- druck kommt. 1887 entdeckte er sein Talent als Diri- gent, es folgten Konzerttourneen durch Europa und Nordamerika. Er starb überraschend im Oktober 1893, wenige Tage nach der Uraufführung seiner 6. Sinfonie, der „Pathétique”.

Modest Mussorgsky

Schon in früher Jugend kam Modest Mussorgsky in Kontakt mit den Liedern und Sagen seiner russischen Heimat. Bereits mit sieben Jahren spielte er einfache Weisen von Liszt auf dem Klavier und im jugendlichen Alter von 13 Jahren wurde seine erste Komposition, die „Porte-enseigne-Polka”, veröffentlicht. Zunächst diente der Sohn eines Gutsherren jedoch als Offizier in einem Petersburger Garderegiment. Die Bekanntschaft mit Mili Balakirew führte ihn zur Gruppe „Das Mäch- tige Häuflein” oder „Gruppe der Fünf”. Außer Balakirev waren alle Fünf keine Berufsmusiker, was sie in den Augen der Öffentlichkeit als Dilettanten erscheinen ließ. Auch Mussorkgsky war zu einem großen Teil Autodidakt.Die Abschaffung der Leibeigenschaft im Zarenreich wurde von Musskorgsky zwar durchaus begrüßt, brachte aber die Notwendigkeit mit sich, selbst für seinen Lebensunterhalt zu sorgen. So trat er als Kon- zertpianist auf und nahm eine Stelle als subalterner Beamter an. Bedingt durch seine Alkoholsucht verlor er die Anstellung jedoch wieder und geriet in Armut. 1881 starb er verarmt und vom Alkohol gezeichnet.

Der Schwerpunkt seines musikalischen Wirkens liegt auf dem Gebiet des Musiktheaters, einer naturalistisch- deklamatorischen Musikdramatik. 1967 veröffentlichte er die Sinfonische Dichtung „Eine Nacht auf dem kahlen Berge”, eines der bekanntesten Beispiele für russische Programmmusik. 1874 wurde die als musikalisches Volksdrama bezeichnete Oper „Boris Godunow” urauf- geführt, eine der wichtigsten Kompositionen der russi- schen Romantik. Der Klavierzyklus „Bilder einer Ausstel- lung” erschien 1864. Mussorgsky gilt als Erneuerer der russisch-romantischen Musik.

1839

Mussorgsky wird geboren

Charles Goodyear entdeckt das Vulkanisationsverfahren | Uraufführung der ersten Oper Verdis in Mailand

1840

Tschaikowsky wird geboren

Mendelssohns „Lobgesang“ wird in Leipzig uraufgeführt | Robert Schumann heiratet gegen den Willen ihres Vaters Clara Wieck

1870

Uraufführung „Romeo und Julia“

Der Bau der Brooklyn Bridge beginnt |
Das Wiener Musikvereinsgebäude wird eröffnet | Das 1. Vatikanische Konzil verkündet das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes

1874

Klavierfassung „Bilder einer Aufstellung“

1881

Mussorgsky stirbt

Am Stuttgarter Marktplatz eröffnet das Warenhaus Breuninger | Ferdinand Adolf Kehrer führt den 1. konservativen Kaiserschnitt durch

1886

1. Orchestrierung von „Bilder einer Ausstellung“ von Michail Tuschmalow

1894

Tschaikowsky stirbt

Albert Dion gewinnt das 1. Automobilrennen der Geschichte | Das Reichstagsgebäude wird nach 10jähriger Bauzeit eingeweiht

1922

Ravels Orchestrierung von „Bilder einer Ausstellung“