Novem­ber­kon­zert | 01. Novem­ber 2015

MES­SA DA REQUI­EM (Ver­di)

Gro­ßer Chor & Orches­ter des ORSOphilharmonic
Musi­ka­li­sche Lei­tung: Wolf­gang Roese

ORT & ZEIT

Kon­zert­haus Freiburg

Sonn­tag, 1. Novem­ber 2015

Beginn 19 Uhr | Ein­lass ab 18 Uhr
Ende gegen 21 Uhr

(Pau­se ca. 19.50 Uhr)

TICKETS

Tickets unter
0761 / 70 73 200

Hot­line besetzt Mo – Fr, 10–18 Uhr

PRO­GRAMM

Mes­sa da Requiem
(Giu­sep­pe Verdi)

Kom­po­nist und Werk

Schon Ver­dis Zeit­ge­nos­sen spra­chen von einer „Oper in lit­ur­gi­schem Gewand”, ob sei­ner gro­ßen Band­brei­te an fein inein­an­der gewo­be­ner, musi­ka­li­scher Emo­ti­on und Kon­struk­ti­on, mit inni­gem Solo­ge­sang und vir­tuo­sen, werk­be­stim­men­den Chor­fu­gen. Ent­stan­den war die musi­ka­li­sche Toten­mes­se in zwei Etap­pen. Zunächst schrieb Ver­di ein Libe­ra me als Teil einer Gemein­schafts­kom­po­si­ti­on zum Geden­ken an den 1868 ver­stor­be­nen Gioa­chi­no Ros­si­ni. Anläss­lich des Todes des ita­lie­ni­schen Natio­nal­dich­ters und Vaters des moder­nen ita­lie­ni­schen Romans Ales­san­dro Man­zo­ni erwei­ter­te Ver­di sei­nen Teil des damals nicht auf­ge­führ­ten Ros­si­ni-Requi­ems zu einer voll­stän­di­gen Totenmesse.
Die Urauf­füh­rung der Mes­sa da Requi­em fand 1874 unter Ver­dis Lei­tung in San Mar­co in Mai­land statt, genau ein Jahr nach dem Tod Man­zo­nis. Dass ein haupt­säch­lich für sei­ne Opern bekann­ter Kom­po­nist mit betont anti­kle­ri­ka­ler Hal­tung aus­ge­rech­net einen lit­ur­gi­schen Text ver­ton­te, ist höchst ver­wun­der­lich. Jedoch erklär­bar, wenn man das Requi­em als Ver­dis per­sön­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit der Fra­ge nach den letz­ten Din­gen begreift, die ins All­ge­mei­ne umge­deu­tet wer­den kann. Die Grund­hal­tung ist nicht zutiefst reli­gi­ös, wohl aber sehr ethisch ver­an­kert, sodass die Ver­bin­dung zu Man­zo­ni als Huma­ni­täts­ide­al offen­sicht­lich ist. Obgleich Ver­di sei­nen Erfolg sei­nem Opern­schaf­fen zu ver­dan­ken hat, stellt er sein Genie in höchs­ter Kon­zen­tra­ti­on im Requi­em dar. Dort­hin­ein inves­tiert er alle cha­rak­te­ris­ti­schen musi­ka­li­schen Mit­tel, die er im Ver­lauf von 26 Opern ent­wi­ckelt hat­te und die er hier nun voll zur Ent­fal­tung brin­gen konn­te, ohne auf die stets unver­meid­li­chen und jeweils beson­de­ren Gege­ben­hei­ten einer Büh­nen­hand­lung Rück­sicht neh­men zu müs­sen. Ver­di selbst führ­te sein Werk nur ein­mal ohne Pau­se auf: Anläss­lich der Urauf­füh­rung. Alle wei­te­ren Auf­füh­run­gen unter dem Kom­po­nis­ten selbst wur­den mit Pau­se nach dem Dies Irae, dem zwei­ten Satz, durch­ge­führt. So wird auch ORSO in der Tra­di­ti­on Ver­dis das Requi­em mit einer Pau­se aufführen.

„Arm gebo­ren, in einem armen Dorf, fehl­ten mir die Mit­tel für jed­we­de Ausbildung; 

man gab mir ein arm­se­li­ges Spi­nett unter die Finger, 

und eini­ge Zeit spä­ter begann ich zu komponieren … 

ein Stück nach dem ande­ren … Das ist alles! 

Und Tat­sa­che ist, dass ich heu­te, als alter Mann, 

gro­ße Zwei­fel hin­sicht­lich des Wer­tes die­ser Kom­po­si­tio­nen hege!”

So skiz­zier­te Ver­di am Vor­abend sei­nes 78. Geburts­tags den Ver­lauf sei­ner Kar­rie­re. Die Geschich­te des unge­bil­de­ten Bau­ern­jun­gen, der aus eige­ner Kraft zum Natio­nal­hel­den des Lan­des auf­stieg, hat­te für ein Jahr­hun­dert gro­ße Anzie­hungs­kraft. Die Wahr­heit ist weni­ger dra­ma­tisch, auch wenn Ver­di tat­säch­lich in einem länd­lich-pro­vin­zi­el­len Milieu auf­wuchs, wes­halb er – obwohl sein Talent früh ent­deckt wur­de – nur sehr lang­sam vor­an­kam. Kein ita­lie­ni­scher Kom­po­nist von ver­gleich­ba­rem Rang muss­te auf die Auf­füh­rung sei­ner ers­ten Oper war­ten, bis er 26 Jah­re alt war.

Letzt­lich beherrsch­te Ver­di aber 50 Jah­re lang ohne nen­nens­wer­te Kon­kur­renz den Opern­be­trieb in Ita­li­en. Bereits mit sei­nen Früh­wer­ken ver­dräng­te er Bel­li­ni und Doni­zet­ti von den Spiel­plä­nen. Die­se Mono­pol­stel­lung soll­te er bis zu sei­nen spä­te­ren Wer­ken Otel­lo (1887) und Fal­staff (1893) behaup­ten. Der eigent­li­che Beginn sei­ner Kar­rie­re ist mit Nabuc­co (1842) zu set­zen, mit des­sen tri­um­pha­lem Erfolg Ver­di schlag­ar­tig über die Gren­zen Ita­li­ens hin­aus bekannt wur­de. Die fol­gen­de Auf­trags­wel­le führ­te dazu, dass er auch in Lon­don und Paris Fuß fas­sen konn­te. Sein durch­schla­gen­der Erfolg ist fest mit einem Opern­typ ver­an­kert, der durch gewal­ti­ge Chor­sze­nen und eine breit ange­leg­te Orches­trie­rung gekenn­zeich­net ist. Neben sei­nem rei­chen Büh­nen­schaf­fen umfasst sein Werk­ver­zeich­nis nur weni­ge rein sym­pho­ni­sche Wer­ke, dar­un­ter das anspruchs­vol­le Streich­quar­tett e‑Moll (1973) und die welt­be­rühm­te und monu­men­ta­le Mes­sa da Requi­em (1874).

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